Beschlossen - Vergessen

Wir behalten auch die Vergangenheit im Blick: damit das Rad nicht neu erfunden werden muss finden sich hier der eine oder andere Gedanke, der möglicherweise im weiteren Planungsprozess wieder zu Ehren kommen kann.

Aus dem Flächennutzungsplan 1980

Als Neubürger hat man sich ja manchmal gewundert, warum es den Einschnitt gibt, auf dem die Trasse „Verlängerung des Freiheitsrings“ laufen soll. Die Ursprünge der Straße liegen nicht in der Erschließung eines Wohngebietes, vielmehr hat die Trasse das Licht als L277n erblickt. Es handelte sich um die Planung einer Verbindungsstraße nach Habbelrath mit der eine direkte Straßenverbindung zwischen Habbelrath und dem Tangentenring hergestellt werden sollte. Beginn der Straße an der heutigen Kreuzung Habbelrath Höhe Aldi und dann auf der Linie des Rosmarer Wegs nach Osten, um östlich des Rehbergwegs nach Norden abzuschwenken und den Ichendorfer Weg zu erreichen.

Daran wird erkennbar, dass diese Trassenführung als Entlastung der Verbindung von Horrem kommend via Dürener Straße - Blindgasse auf den Tangentenring geplant war. In der heutigen Version soll die Straße bereits am Kreisverkehr Grube Carl - Dürener Straße enden. Die Effekte dürften aber vergleichbar sein:

Eine kurze Verbindung zwischen Dürener Straße und Tangentenring unter Umfahrung der Engstelle Dürener Straße / Blindgasse. Das führt zu Durchgangsverkehr im Stadtteil …. strukturell wäre da die alte Trassenführung für den Stadtteil sogar besser: entlang der Ichendorfer Straße, am Rande des Stadtteils vorbei und der Durchgangsverkehr fließt Richtung Habbelrath ab.

Mal wieder eine Rückschau oder zumindest die CDU wusste es schon 2002

Die im Informationssystem der Stadt Frechen gefunden Unterlagen sind leider nicht von bester Qualität. aber sie sind aussagekräftig:

Dies war eine Stellungnahme der CDU zur damals geplanten Verlängerung des Freiheitsrings. Wir alle wissen, dass der Freiheitsring in der damals geplanten Form auf absehbare Zeit nicht kommen wird. Aber schon damals hat die CDU richtig erkannt: „Fehlt die Erschließungsstraße Verlängerter Freiheitsring … würde damit insbesondere das Plangebiet 86.4 F mit Durchfahrtsverkehr unnötig belastet.“ Wobei diese Aussage noch viel stimmiger würde, wenn die Verlängerung käme: eine Zufahrt via Verlängerung des Freiheitsrings produziert Durchgangsverkehr zwischen Dürener Straße und Tangentenring und innerhalb des Stadtteils dfurch unnötige Fahrten zur jeweils günstigsten Zu- / Abfahrt. Wie immer wenn es um's Auto geht, so wird auch hier ein Argument nicht zu Ende gedacht: Wie wohl lassen sich unnötige Fahrten vermeiden? Durch den Bau neuer Straßen? Oder vielleicht durch einen Ausbau von ÖPNV, Radwegen und dem Vorhalten notwendiger Infrastruktur in fußläufiger Entfernung?

Aber, die Verlängerung kommt auf die nächsten Jahre nicht. Wir sind, was die derzeitigen Planungen betrifft, wieder auf dem ursprünglichen Stand:

„Die ursprüngliche Konzeptplanung sieht vor, dass der gesamte Siedlungsbereich des neuen Stadtteiles ‚Grube Carl‘ hinsichtlich des MIV nur über die v.g. Sammelstraße zur und von der Dürener Straße aus aufgeschlossen werden soll. Dies bedeutet, dass das zukünftige Verkehrsaufkommen auf der Dürener Straße auf ca. 21.000 KFZFahrten werktäglich steigt. … Im Rahmen der Realisierung des neuen Stadtteiles ‚Grube Carl‘ hat der PLA die Verwaltung beauftragt, das Gesamtkonzept der äußeren Erschließung zum MIV nochmals hinsichtlich der Erforderlichkeit ergänzender Erschließungen zu der bisher vorgesehenen Zentralerschließung zur Dürener Straße hin zu überprüfen. Hierbei wird insbesondere die Machbarkeit der Verlängerung des Freheitsringes einer besonderen Betrachtung unterzogen, da dieser unter verkehrlichen und städtebaulichen Aspekten Auswirkungen auf die Attraktivität der Innenstadt zukommt.“

(Aus: Bebauungsplan Nr 87 F (Umbau Knoten Neuer Weg / Dürener Straße, Satzungsbegründung und Umweltbericht (Januar 2003))

In dieser Vorlage von 2003 wurde für die Straße Grube Carl noch mit 7.500 Fahrten je Tag gerechnet, heute bei gleichen Grundannahmen (kein Freiheitsring, Sperrung der Rosmarstraße) mit über 10.000 Fahrten.

Mit anderen Worten: 2003 wurde eine einzige Zufahrt zum Stadtteil projektiert und von 7.500 Fahrten je Tag ausgegangen. Die Zahl der Fahrten, so die neuesten Projketionen, wurde um 25% angehoben, ohne dass dies bisher Auswirkungen auf die Verkehrsführung innerhalb des Stadtteils hat. Es spricht einiges dafür, sich den Stadtteil und die inneren Verkehre nochmals genauer in Augenschein zu nehmen und zu prüfen, ob die Wohnstraßen, die diese Verkehre aufnehmen sollen, dazu überhaupt in der Lage sind und welche Belastungen sich hierbei für die AnwohnerInnen ergeben.

Beschlossen - Vergessen

2006 hat sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauleitplanung intensiv mit der verkerhrlichen Erschließung unseres Stadtteils beschäftigt. Damals noch unter der Prämisse, dass die ursprüngliche Planung einer einzigen Erschließungsstraße (heutige Straße Grube Carl) zu ergänzen sei um die Verlängerung des Freiheitsrings. Aber auch vor diesem Hintergrund wurde formuliert, dass eine bewußte Verkehrsminimierung bei den Planungen zu berücksichtigen sei, um das Straßennetz nicht zu überlasten. Korrekterweise war die Verlängerung der Linie 7 integraler Bestandteil jeder Verkehrsplanung. Auch das hat sich ja zwischenzeitlich erledigt. Zweiter integraler Bestandteil der Verkehrsplanung war die Idee des „Stadtteils der kurzen Wege“, womit gemeint war, dass der Stadtteil über eine ausreichende Infrastruktur verfügen müssen, damit eine Versorgung (Grundschule, Kindergarten, Geschäfte und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs)vor Ort erfolgen kann. Das Thema Grundschule hat sich erledigt, ebenso das Thema Geschäfte.

Aus unserer Sicht ist aber der Abschlusssatz von zentraler Bedeutung für die kommenden Gespräche im Planungsbeirat:

„Unter v.g. Bedingungen ist der Gutachter davon ausgegangen, dass hinsichtlich des motorisierten Individualverkehrs die Erschließung des Gesamtbereiches Grube Carl über nur eine neue Haupterschließungsstraße erfolgen kann. Dies bedeutet jedoch unter Berücksichtigung ggf. sich ändernder Rahmenbedingungen auch, daß diese Aussagen zu überprüfen sind.“

Die Rahmenbedingungen haben sich gravierend verändert. Keine Grundschule, kein „Stadtteil der kurzen Wege“, keine Linie 7 …. keine einzige der vom Gutachter formulierten Voraussetzungen ist gegeben. Trotzdem wollen die unsere Politiker weitermachen, als sei nichts geschehen!

Anbei ein Auszug des städtischen Beschlussvorlage, nur um sich nochmals vor Augen zu führen, dass die ursprünglich leitenden Ideen für den Stadtteil so schlecht nicht waren. Was aber daraus gemacht wurde, das spottet jeder Beschreibung.

„Äußeres verkehrliches Erschließungskonzept

Die in 1997 beschlossene städtebauliche Rahmenplanung sah eine Haupterschließung des gesamten Plangebiets als Nord-Süd-Achse von der Dürener Straße in das Plangebiet hinein durch einen sog. ‚Parkway‘ vor. Dieses ‚Konzept der äußeren verkehrlichen Erschließung für das neue Siedlungsgebiet Frechen-Benzelrath‘ beinhaltete auf Grund der räumlichen und zeitlichen Dimension der Stadtentwicklungsmaßnahme eine stufenweise Bebauung des Gesamtbereiches in Abhängigkeit von der Erschließungsfrage. (…) Die Anwohner der Rosmarstraße sollen nach dem Beschluss des Ausschusses nicht über das bisherige Maß - einschließlich des Verkehrs der Brikettfabrik bis 1996 - hinaus belastet werden, so dass sie als MIV-Erschließungstrasse für das gesamte neue Baugebiet entfällt. Das Konzept zur äußeren Erschließung geht deshalb nach Untersuchung und Diskussion der verschiedenen Varianten unter Integration der Verkehrsmittel Stadtbahn, Bus- und Fahrradverkehr (Umweltverbund) in einem Grobkonzept von einer Realisierung in drei Stufen aus

  • Stufe 1: Bebauung der südlichen Bereiche an der Sandstraße ohne zusätzliche neue Erschließungsanlagen.
  • Stufe 2: Bebauung des Kernbereiches um die Philipp-Faßbender-Straße und den Grefrather Weg und Bau des Stadtteilzentrums ‚Grube Carl‘. Zwingend erforderlich ist für die Anbindung dieses Bereiches der Bau einer neuen Hauptsammelstraße von der Dürener Straße her zur Grube Carl hin. Zeitlich parallel soll die Verlängerung der Stadtbahnlinie 7 in das neue Stadtteilzentrum erfolgen.
  • Stufe 3: Bebauung der westlichen Siedlungsflächen im Bereich Rehbergweg sowie eine zusätzliche intensive Buserschließung mit direkter Anbindung an das Stadtteilzentrum und die Frechener Innenstadt.

Das von dem beauftragten Verkehrsplanungsbüro IVV Aachen erarbeitete und intensiv sowohl von den Fachleuten als auch den politischen Gremien immer wieder öffentlich diskutierte Erschließungskonzept geht davon aus, dass das Aufkommen des KFZ-Verkehrs möglichst gering gehalten wird, um die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes zu erhalten. Voraussetzung hierfür sind jedoch unterstützende Maßnahmen wie:

  • Frühzeitige Erschließung mit der Stadtbahn, um ein hochwertiges Verkehrsangebot zu schaffen und die Benutzung des PKW zu dämpfen. Nicht nur die Machbarkeit der Verlängerung der Stadtbahnlinie 7 wurde nachgewiesen, vielmehr kommt der Stadtbahn dann auch eine innerstädtische Verkehrsbedeutung zu, da eine direkte Verbindung mit der Innenstadt geschaffen wird.
  • Umfangreiche Infrastrukturausstattung (Grundschule, Kindergarten, Geschäfte und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs) zur Schaffung eines ‚Stadtteils der kurzen Wege‘.

Unter v.g. Bedingungen ist der Gutachter davon ausgegangen, dass hinsichtlich des motorisierten Individualverkehrs die Erschließung des Gesamtbereiches Grube Carl über nur eine neue Haupterschließungsstraße erfolgen kann. Dies bedeutet jedoch unter Berücksichtigung ggf. sich ändernder Rahmenbedingungen auch, daß diese Aussagen zu überprüfen sind.“

(Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauleitplanung am: 19.09.2006, Beschlussvorlage: Äußere verkehrliche Gesamterschließung des Stadtteils Grube Carl - Motorisierter Individualverkehr (MIV), Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) / Verlängerung der Stadtbahnlinie 7 und Busanbindung)

planungen/start_verkehrsplanung_beschlossen.txt · Zuletzt geändert: 2013/07/11 13:31 von schoberc
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