Briefwechsel zwischen Perspektive und BI

Mai / Juni 2013

Der Fraktionsvorsitzende Perspektive/JA! Herr Dieter Zander hat uns am 30. Mai angeschrieben, nachdem die BI via Pressemitteilung auf die zunehmenden Probleme mit dem Schleichverkehr, der durch die Baustelle am Neuen Weg/Dürener Straße ausgelöst verursacht wird, aufmerksam gemacht hat. Im letzten Absatz seiner Mail versucht Herr Zander uns auf dünnes Eis zu locken. Bündnis 90 / die Grünen haben vor einigen Tagen dem Rat der Stadt Frechen einen Antrag vorgelegt, mit dem Inhalt, die Rosmarstraße, wie schon seit Ewigkeiten versprochen, abzubinden.

Herr Zander, dessen Formation „Perspektive für Frechen“ aus der Bürgerinitiative gegen eine Verlängerung des Freiheitsrings entstanden ist, bekommt bei diesem Antrag vermutlich klamme Gefühle, denn wird die Rosmarstraße abgebunden, so besteht die Gefahr, dass irgend jemand auf die Idee kommen könnte, dass die Verlängerung des Freiheitsrings schneller kommen muss. Dem würde er vermutlich gerne vorbauen. Weswegen die BI doch bitte schön sich gegen die Sperrung der Rosmarstraße aussprechen soll. Die Antwort hat er uns ja bereits in den Mund gelegt mit der Formulierung, dass „eine solche Entscheidung sich für die Bürgerinnen und Bürger auf Grube Carl ja bezüglich der Erreichbarkeit des Stadtteils nachteilig auswirken würde.“

Wir haben da nur ein Problem: wir wollen uns nicht für anderer Leute Partikularinteressen instrumentalisieren lassen. Die Verkehrsbelastung der Rosmarstraße hat ein Ausmass erreicht, dass den AnwohnerInnen der Straße kaum mehr zuzumuten ist. Die Belastung wird, wenn die Dürener Straße wieder normal zu befahren sein wird, sicherlich kurzfristig wieder nachlassen. Sie ist aber nur ein Vorgeschmack dessen, was der Straße Zum Bellerhammer und der Rosmarstraße an Verkehr droht, wenn die hier oben geplanten Baumaßnahmen im projektierten Umfang realisiert werden. Dabei muss gelten: ein Verkehrskonzept für unseren Stadtteil kann und darf nicht zu unerträglichen Belastungen für die AnwohnerInnen anderer Bereiche führen. Das aber scheint sich abzuzeichnen, wenn hier oben die weiteren Baufelder erschlossen werden und die Rosmarstraße als zweite Hauptzufahrtsstraße dient.

Wie schrieb Herr Zander im Oktober 2011:

„Bevor man eine neue Straße mit immensen Kosten und vielfältigen negativen Auswirkungen baut, darf auch bei der Bebauung weiterer Planzellen die Erreichbarkeit über die Rosmarstraße kein Tabuthema sein.“

Ob nun die Verlängerung des Freiheitsrings, wie gerne behauptet, die Lösung dieser Probleme darstellt, wir wissen es nicht – aber die Rosmarsträßler im Verkehr ersticken zu lassen, weil man eine neue Straße entlang des eigenen Gartens verhindern will, das entspricht nicht unserer Vorstellung von innerstädtischer Solidarität.

Entsprechend haben wir unsere Antwort formuliert.

Der Mailverkehr im Wortlaut

Mail von Herrn Zander vom 30.05.2013

sehr geehrte Mitglieder der BI Grube Carl,

unter Bezugnahme auf die Pressemitteilung vom 13.05.2013, mit deren Inhalt wir uns in der Fraktion beschäftigt haben, bin ich für ein Feedback zu nachstehenden Themenkomplexen dankbar: Dass die gegenwärtige Verkehrssituation wegen der Geschwindigkeitsüberschreitungen sowie angesichts des Schleichverkehrs äußerst unbefriedigend ist, liegt auf der Hand. Auch die Forderung nach einem Gesamtverkehrskonzept können wir gut nachvollziehen. Aus unserer Sicht kann davon ausgegangen werden, dass der Schleichverkehr nach Fertigstellung des Knotens Dürener Straße / Neuer Weg abnehmen wird. Gefunden werden muss damit eine Lösung für die dann bestehende Verkehrslage. Wie beurteilen Sie, neben den notwendigen Geschwindigkeitsmessungen, die Installierung verkehrsberuhigender Maßnahmen wie z. B. Kölner Teller? Wäre das für die Anwohner eine Option, die Abhilfe schaffen würde? Wie stehen Sie grundsätzlich sowie perspektivisch zu einer Abbindung der Rosmarstraße für den motorisierten Individualverkehr? Eine solche Entscheidung würde sich für die Bürgerinnen und Bürger auf Grube Carl ja bezüglich der Erreichbarkeit des Stadtteils nachteilig auswirken. Mit freundlichem Gruß Dieter Zander Fraktionsvorsitzender Perspektive/JA!

Unsere Antwort vom 03.06.2013:

Hallo Herr Zander,

aus unserer Sicht stellt sich der Stand wie folgt dar:

1. Die Ursprungsplanung für das Baugebiet ging von einer einzigen Zufahrtsstraße aus: der heutigen Straße „Grube Carl“ 2. Die aktuelle Beschlusslage in Bezug auf Freiheitsring (neu) und Abbindung der Rosmarstraße lautet, dass die Abbindung nur kommt, wenn der Freiheitsring kommt. In diesem Zuge ist auch eine Abbindung des Rosmarer Weges geplant. 3. Mit diesem Beschluss wurde aber zugleich formuliert, dass der Freiheitsring (neu) von allen Baufeldern aus erreichbar sein muss - dies bedeutet, dass eine durchgehende Fahrt vom Freiheitsring (alt) über Freiheitsring (neu), Grefrather Weg, Zum Bellerhammer und Straße Grube Carl zur Dürener Straße ermöglicht werden würde. Eine Verlängerung des Freiheitsrings wird also Durchgangsverkehr generieren. Möglicherweise in einem größeren Umfang als der aktuelle Schleichverkehr hervorgerufen durch die Baustelle Neuer Weg. Hierfür gibt es aber noch keine Verkehrsanalyse. 4. Kein Vorratsstraßenbau (gilt für Freiheitsring neu)

Aktuell sagt das Verkehrsgutachten aber:

5. Der Kreisverkehr Dürener Straße / Grube Carl Straße wird seine Kapazitätsgrenze erst erreichen, wenn die Planzellen 9 und 10 bebaut sind. (Planfall 3 des Verkehrsgutachtens.)

Zitat aus dem Gutachten: „In den Fällen mit der einzigen Erschließung über Zur Grube Carl wird die Dürener Straße im Abschnitt zwischen Zur Grube Carl und dem neuen Knoten Neuer Weg mit bis zu 22.300 Kfz DTV (vgl. P3.2) belastet. Damit wird die Auslastungsgrenze einer zweistreifigen Straße, die bei rund 23.000 Kfz/DTV anzusiedeln ist, fast erreicht.„

6. Im Planfall 2 (Erschließung der Baufelder 5 bis 8) steigt die Belastung der Rosmarstraße von aktuell 2.300 Bewegungen im oberen Bereich (Einmündung „Am Rittersberg“) auf 4.300 Bewegungen. Im unteren Bereich (letzte 200 Meter vor der Ampel) steigen die Bewegungen von aktuell 4.400 auf 6.300. Damit wird die Rosmarstraße höher belastet sein als die Straße „Zum Bellerhammer.“ (4.500 - 5.000 Bewegungen.

Dabei ist anzumerken, dass die Bewegungen auf der Straße Zum Bellerhammer inkl. Rosmarstraße und der Straße Grube Carl um die nachfolgend Anzahl Bewegungen zu erhöhen sind:

Zitat Verkehrsgutachten: „Wird das Gebiet Grube Carl nur über eine Erschließungsstraße angebunden, wird hier ein Mehrverkehr von rund 6.000 Fahrten am Tag zu erwarten sein. Davon nutzen etwa 1.700 Fahrzeuge am Tag den Heidgesweg.“

Da der Heidgesweg abgehängt wurde, müssen diese 1.700 Bewegungen über andere Straßen stattfinden. Bei der vom Verkehrsgutachten immer angenommen 50:50 Aufteilung der Bewegungen zwischen Rosmarstraße und Grube Carl Straße heißt das: Im Planfall 2 wird die Rosmarstraße [diese Erhöhung trifft auch die Straße Zum Bellerhammer] im oberen Bereich mit rund 5.000 Bewegungen belastet, im unteren Bereich mit rund 7.000. Vgl. Verkehrsgutachten: „Planfall 2 In den Planfällen 2.1 und 2.2 werden weitere 2.000 zusätzliche Fahrten (Quell- und Zielverkehr) im Entwicklungsgebiet eingespeist. Auch hier wird der Mehrverkehr zu etwa gleichen Teilen auf Rosmarstraße und Zur Grube Carl verteilt. Heidgesweg/Sandstraße erhalten Mehrverkehr in Höhe von 400 Kfz DTV.“

7. Das Verkehrsgutachten lehnt eine Abbindung der Rosmarstraße ab, bzw. hält dies nur vertretbar, solange nur die Planzellen 5 und 6 entwickelt werden.

Das Problem bei der ganzen Sachlage:

Die Wohnqualität der AnwohnerInnen spielt im Verkehrsgutachten keine Rolle, ebensowenig in der Debatte bzgl. der Weiterentwicklung des Stadtteils, denn zentrales Kriterium scheint einzig die Aufnahmefähigkeit des Kreisverkehrs Dürener Straße / Grube Carl. Wie der Verkehr innerhalb des Stadtteils fließt, bzw. nicht fließt, wird bisher nicht reflektiert.

Fasst man die verschiedenen Problemlagen zusammen, dann muss man ehrlicherweise sagen. dass ein Verkehrsaufkommen, welches die BI Grube Carl für die Stadtteilstraße „Zum Bellerhammer“ ablehnt, nicht im Gegenzug akzeptabel für die AnwohnerInnen der Rosmarstraße sein kann.

Die BI Grube Carl hat deshalb an verschiedenen Stellen vorgeschlagen, eine neue Erschließungsstraße für die hinteren Baufelder zu bauen und dafür andernorts auf Grube Carl die wegfallenden Ausgleichsflächen zu schaffen. Diese Option wurde bisher an keiner Stelle ausreichend diskutiert.

Alternativ wurde durch uns eine Einbahnstraßenführung innerhalb des Stadtteils vorgeschlagen. Auch dies wurde bisher nicht vertiefend diskutiert.

Natürlich wären verkehrsberuhigende Maßnahmen für die Straße „Zum Bellerhammer“ überlegenswert, vor dem Hintergrund jedoch, dass der gesamte Baustellenverkehr für die Baufelder 5 bis 8 über diese Straße laufen soll und vor dem Hintergrund, dass die Straße „Zum Bellerhammer“ jetzt bereits kaum in der Lage ist, LKWs im Gegenverkehr zu verkraften, gehen wir davon aus, dass solche Maßnahmen aktuell keine Realisierungschance haben.

Eine weitere Hilfsoption wäre den geradlinigen Straßenverlauf baulich zu verändern. Kommentierung der Straßenverkehrsbehörde des Rhein-Erft-Kreises zu der in 2009 durchgeführten (Tempo-)Messung: „Insgesamt erscheint der breite und geradlinige Verlauf der Straße Zum Bellerhammer ursächlich für das erhöhte Geschwindigkeitsniveau. […]. Insgesamt entspricht die Verkehrsraumgestaltung nicht den Anforderungen an eine Tempo 30-Zone gem. VwV zu § 45, Absatz 1-1e, Satz XI.“ Aber auch hieran können wir vor dem Hintergrund unserer bisherigen Erfahrungen nicht glauben.

Wir als Bürgerinitiative halten es jedenfalls aktuell nicht für zukunftsweisend, uns an dieser Stelle gegen die AnwohnerInnen der Rosmarstraße zu positionieren, da aus unserer Warte das St.-Florians-Prinzip keine angemessene Lösung unserer Verkehrssituation darstellt. Ein vernünftiges Verkehrskonzept für unseren Stadtteil darf nicht zu unangemessenen Folgeproblemen an anderen Stellen führen. Wie stünden wir alle da, wenn sich am Schluss 3 Bürgerinitiativen „bekriegen“ würden? Die einen gegen die Verlängerung des Freiheitsrings, die anderen für eine Abbindung der Rosmarstraße und die dritten für Freiheitsring und gegen eine Abbindung?

KStA v. 31.05.2013 - Schleichverkehr

Aktuelles zum Verkehr im Stadtteil

verkehrsprobleme/freiheitsring_und_rosmarstrasse_pff.txt · Zuletzt geändert: 2013/06/05 10:56 von schoberc
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